Sonntag, 2. Oktober 2011

Holland House

(Bildquelle: http://www.siue.edu/~ejoy/HollandHouseLibraryText.htm)

Leser in der zerstörten Bibliothek von Holland House, London, die am 22.Oktober 1940 von einer Brandbombe getroffen wurde.

Freitag, 30. September 2011

Secret World

(‘thinking’ by Luís Alves)

"Everybody has a secret world inside of them. All of the people of the world, I mean everybody. No matter how dull and boring they are on the outside, inside them they've all got unimaginable, magnificent, wonderful, stupid, amazing worlds. Not just one world. Hundreds of them. Thousands maybe." (The Sandman - Neil Gaiman)

Donnerstag, 29. September 2011

6 Dinge, die sie über das häufigste Gebildbrot Deutschlands wissen sollten

(Quelle: ansichtskarten-center.de)


1.) Einige Verse zur Entstehung

Der Uracher Brezelbäck
Es war einmal ein Brezelbäck
dem sprach der Graf das Leben weg
doch weil er guten Leumunds war
bot ihm der Graf ein' Rettung dar:
Back ein Brot lieber Freund
durch das die Sonne dreimal scheint
dann wirst du diesmal nicht gehängt
das Leben sei Dir frei geschenkt"
Der schlaue Bäck bedachte sehr
drei Tage braucht' er und nicht mehr
dann brachte er mit sichrem Schritt
dem Grafen eine Brezel mit.
Er hielt sie ihm vors Auge hin
die Sonne dreimal dadurch schien
der Graf, er lächelte darauf
und aß die ganze Brezel auf.
Drum kauf' dir Brezeln liebes Kind
weil die so sehr historisch sind !

2.) Einige Worte zur Etymologie

"Wort und Sache sind hauptsächlich mit dem oberdeutschen Raum verbunden, und alle Dialektvarianten sind bereits im Mittelalter belegt; sie gehen allesamt letzten Endes auf Ableitungen von lat[einisch] brachium ‚Arm‘ zurück (spätlat[einisch] auch brāc[c]hium [...]): eines der vielen lat[einischen] Lehnwörter der aufblühenden karolingischen Klosterkultur. Hier handelt es sich um die Bezeichnung für ein urspr[üngliches] ‚Devotionsgebäck‘, darum noch heute in katholischen Gegenden Oberdeutschlands besonders heimisch [...]). Das Benennungsmotiv sind die verkreuzten Enden, die mit ineinander geschlungenen Armen verglichen wurden." (Quellen: u.a. Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache)

3.) Einige Brezelvokabeln - Zur Erweiterung des Wortschatzes

Breznsoizer (Brezensalzer) - eine Person, die untergeordnete Tätigkeiten ausübt. (Der Begriff stammt vermutlich aus der Umgangssprache der Bäcker, die das Salzen der Brezeln gerne den Lehrlingen überließen.)

Sich/etwas zerbrezeln - stürzen, verunfallen, zerstört werden

Jemandem eine Brezn geben - jemanden verbal oder körperlich attackieren

sich aufbrezeln - gut anziehen, schminken, sich herausputzen

eine Brezel haben / A Brezg em Gsicht - betrunken / angeheitert sein.

4.) Völlig unnützes Wissen

Das Bremer Zentrum für Literaturdokumentation in der Germanistik des Fachbereichs Sprach- und Literaturwissenschaft der Universität Bremen nennt sich abgekürzt BreZeL.

5.) Einige Brezelbräuche

In vielen Gegenden ist es jahrhundertealter Brauch, am ersten Tag des neuen Jahres eine (süße) Brezel als Glücks- und Liebesbringer zu verschenken und zu verzehren.

In der Nacht zum 1. Mai malten in früheren Zeiten verliebte Jungs eine Brezel bei der heimlich Angebeteten auf das Scheunentor oder die Haustür. Ebenso wie sie eine Liebesbezeugung sein konnte, bedeutete sie – auf dem Kopf stehend – eine Schande für das Mädchen.


6.) Die Frage, die uns alle bewegt: Welcher Brezeltyp bist du?

Zum Test:
http://www.brezel-baecker.de/brezelgeschichte#kapitel15

(Quellen: brezel-baecker.de, Wikipedia)

Mittwoch, 28. September 2011

Tableau vivant

"Lebende Bilder (franz. Tableaux vivants), Darstellungen von Werken der Malerei und Plastik durch lebende Personen, die schon im römischen Altertum bei festlichen Gelagen von Gauklern und Tänzern, gewöhnlich am Schlusse von Pantomimen, zur Anschauung gebracht wurden. Von Rom verbreiteten sie sich über das Abendland, und namentlich nach Byzanz, wo sich die spätere Kaiserin Theodora, die Gemahlin Justinians 1., die in ihrer Jugend Tänzerin und Pantomimistin gewesen war, in Attitüden hervortat. In neuerer Zeit wurde das Genre durch Frau v. Genlis (s. d.), die Erzieherin der Kinder des Herzogs von Orléans, wieder belebt, die zur Belehrung und Unterhaltung ihrer Zöglinge dergleichen Darstellungen arrangierte und sich dabei der Hilfe der Maler David und Isabey bediente." (Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 12. Leipzig 1908, S. 281)

(tableau vivant created by visual artist Adad Hannah)

(The Raft of the Medusa, 1818-19, Théodore Géricault)

Dienstag, 27. September 2011

Samuel Beckett - Endspiel


"Endspiel (frz. Fin de partie, engl. Endgame) ist ein absurdes Theaterstück von Samuel Beckett aus dem Jahr 1956. [...] Die deutsche Premiere unter der Regie von Hans Bauer am 30. September 1957 im Schlossparktheater, Berlin, stieß auf so großes Unverständnis, dass das Stück bereits nach acht Vorstellungen abgesetzt wurde."
... zur Feier des sich diese Woche jährenden Unverständnisses, ein paar Ausschnitte:



HAMM: Ich werde dir nichts mehr zu essen geben.

CLOV: Dann werden wir sterben.

HAMM: Ich werde dir gerade soviel geben, daß du nicht sterben kannst. Du wirst die ganze Zeit Hunger haben.

CLOV: Dann werden wir nicht sterben. [...]

HAMM: [...] Ich werde dir einen Zwieback pro Tag geben. Pause. Anderthalb Zwieback. Pause. Warum bleibst du bei mir?

CLOV: Warum behältst du mich?

HAMM: Es gibt sonst niemand.

CLOV: Es gibt sonst keine Stelle.

Pause

HAMM: Und doch verläßt du mich.

CLOV: Ich versuch's.

HAMM: Du magst mich nicht.

CLOV: Nein.

HAMM: Früher mochtest du mich.

CLOV überdrüssig: Früher!

HAMM: Ich habe dich zuviel leiden lassen. Pause. Nicht wahr?

CLOV: Das ist es nicht.

HAMM entrüstet: Ich habe dich nicht zuviel leiden lassen?

CLOV: Doch.

HAMM erleichtert: Ah! Immerhin ! Pause. Kalt. Verzeihung. Pause. Lauter. Ich sagte: Verzeihung.

[...]

NELL ohne leiser zu sprechen: Nichts ist komischer als das Unglück, zugegeben. Aber . . .

NAGG entrüstet: Oh!!

NELL: Doch, doch, es gibt nichts Komischeres auf der Welt. Und wir lachen darüber, wir lachen darüber, aus vollem Herzen, am Anfang. Aber es ist immer dasselbe. Ja, es ist wie der gute Witz, der einem zu oft erzählt wird, wir finden ihn immer gut, aber wir lachen nicht mehr darüber. Pause. Hast du mir sonst noch was zu sagen?

[...]

HAMM: Clov!

CLOV gereizt: Was ist denn?

HAMM: Wir sind doch nicht im Begriff, etwas zu . . . zu . . . bedeuten?

CLOV: Bedeuten? Wir, etwas bedeuten? Kurzes Lachen. Das ist aber gut!

HAMM: Ich frage es mich. Pause. Wenn ein vernunfbegabtes Wesen auf die Erde zurückkehrte und uns lange genug beobachtete, würde es; sich dann nicht Gedanken über uns machen? Mit der Stimme des vernunftbegabten Wesens. Ah, ja, jetzt versteht ich, was es ist, ja, jetzt begreife ich, was sie machen! Clov zuckt zusammen, läßt das Fernglas fallen und beginnt, sich mit beiden Händen den Unterleib zu kratzen. Normale Stimme Und ohne überhaupt so weit zu gehen, machen wir selbst... gerührt wir selbst... uns nicht manchmal... Ungestüm. Wenn man bedenkt, daß alles vielleicht nicht umsonst gewesen sein wird !

(Quellen:http://de.wikipedia.org/wiki/Endspiel_%28Drama%29;
http://www.samuel-beckett.net/endspiel.htm)

Montag, 26. September 2011

Das meist besungene Thema ist fraglos die Liebe

Das meist besungene Thema ist fraglos die Liebe.
Denn die Liebe, Gefühl oder hormonelle Reaktion, verbindet.
Vor der Liebe (nicht etwa dem Gesetz) sind wir alle gleich.
Gleich hilflos. Gleich ausgeliefert. Gleich verloren.
Und im Idealfall gleich glücklich.
Glücklich mit jeder Faser unseres Körpers.
Eins in der Liebe. Vollständig.
Erfüllt von dem einen idealen Augenblick.
Besungen werden meist die Anfänge.
Erste Blicke. Erste Worte. Erste Nächte.
Das Gegenüber auf seine ansehnlichsten Körperteile reduziert.
Ganz Auge, Mund und Flammenhaar.
Teilweise ergänzt durch Stimme, die rauchig süße.
Sehnsucht, auch ein großes Thema.
Das absente Wesen, das vergangene
oder sogar nie da gewesene Glück wird beschworen.
Doch das auch ein gemeinsamer Weg
ein Ende hat bleibt gerne unerwähnt.
Wohl weil es sich dazu so schlecht schunkeln lässt.

Aufgrund ihres Seltenheitswertes verdienen es somit berührend-geistreiche Lieder über das Ende der Liebe verbreitet zu werden.



Frau von Ungefähr
Ungefähr, um fünf vor sechs,
verließ die Frau von nebenan den Mann,
der neben ihr noch schlief.
Sie nahm die Schlüssel von der Wand,
rang kurz nach Luft und verschwand dann.
Auf Nimmerwiedersehen wollte sie geh’n.

Die Tür schlug zu als sie erschrak
und an den Brief in ihrer Tasche dachte,
der den Mann betraf.
Den sie vor langer Zeit geschrieben hatte,
Wort für Wort verziert.
Von Nimmerwiedersehen stand da nichts drin.

Sie sprach von tosendem Meer,
das den Himmel verglüht,
von dem Tag, den die Nacht nicht zerbricht,
von verzehrenden Blicken, die keiner vergisst.
Good bye my love. Bis bald. Auf Wiedersehen!

Jetzt steht sie hier – im Hier und Jetzt.
Sie glaubt, es liegt was in der Luft,
doch nur die Zeit hat sie versetzt.
Die Tage kriechen vor ihr her.
Das Bett ist ohne sie zu leer.
Auf Nimmerwiedersehen kann sie nicht gehen.

Ungefähr, um fünf nach sechs,
legt sich die Frau von nebenan zum Mann,
der neben ihr noch schläft.
Sie zieht ihr Kleid ganz langsam aus und deckt sich zu.
Ein Wiedersehen, wie soll das geh’n?


(Quelle: http://17hippies.de/de/text/frau-von-ungefaehr)

Sonntag, 25. September 2011

Zwei Hörbeiträge zur Briefkultur

Das Problem:
"Die Blütezeit des Briefschreibens, als Kunst angesehen, ist heutzutage, wenigstens in der ganzen abendländischen Kulturwelt, wohl vorüber. Durch die enormen Erleichterungen des schriftlichen und mündlichen Verkehrs, welche die Eisenbahnen, Telegraphen und Dampfschiffe und die Entwickelung des Postwesens herbeigeführt haben, hat sich die Anzahl der Briefe in riesigem Maßstab vermehrt, aber sowohl der Umfang als die künstlerische Form der Briefe einen auffallenden Rückgang erfahren. Während man früher, um an Porto zu sparen, selten, aber dafür desto ausführlicher schrieb, ist bei einem Telegramm oder in einer Postkarte das Hauptstreben auf Kürze gerichtet." (Meyers Konversationslexikon 1885-1892; Quelle: http://www.retrobibliothek.de/retrobib/seite.html?id=102729)

Nun die versprochenen Hörbeiträge:
1.)Musikalisch: Simon and Garfunkel — Why Don't You Write Me


2.)Humoristisch: Karl Valentin und Liesl Karlstadt - Des Freundes Brief


Die Lösung:
Empfänger wählen. Brief schreiben und frankieren. Brief versenden.
Antwortbrief erhalten.Sterbende Kulturtechnik retten.

Um es in den Worten der Deutschen Post zu formulieren:"Mit dem Standard-, Kompakt-, Groß- und Maxibrief sowie der Postkarte erreichen Sie jeden Empfänger."