Montag, 15. August 2011

Flohmarktfund

Auf dem Flohmarkt fand und erstand ich eine Compilation (v. lat. con zusammen, mit; pilus Haar: das Zusammengedrehte, "Verfilzte") mit dem etwas peinlichen Titel "Happy USA. 20 All-Time Favorites". (Irgendwo las ich einmal, dass das hören von Soundtracks und Compilations ein deutliches Anzeichen eines nicht vorhandenen Musikgeschmacks sei. Dieser These möchte ich hiermit in aller Deutlichkeit widersprechen.)
Und weil diese Platte das verregnete Wochenende deutlich aufgewertet hat, teile ich nun meine "3 All-Time Favorites" (interessanterweise alle auf Seite A) mit der Masse meiner Leserschaft.

In Originalreihenfolge:

1. Fun, Fun, Fun - Jan and Dean (hier die nettere Version von den Beachboys)


5. Limbo Rock - Chubby Checker


7. Denise - Randy and The Rainbows


Mehr Plattenspieler braucht die Welt!

Sonntag, 14. August 2011

Drei Dinge, die sie über Fotoautomaten wissen sollten.


1.) Wahre Begeisterung – Warum die Welt ohne Fotoautomaten ärmer wäre.

These1: Sie sind ein famos preisgünstiges Gruppenvergnügen mit hohem Erinnerungswert. Wer sich schon mal zu viert oder fünft in einen Automaten gequetscht hat, wird wissen was ich meine. Wer auf ein solches Erlebnis noch nicht zurückblicken kann, sollte dies zeitnah ausprobieren (und mir davon berichten).

These2: Sie befriedigen den Dokumentationsdrang des digitalen Zeitalters durch beinahe schon historische Technologie.

These3: Je älter der Fotoautomat desto erfreulicher das Ergebnis.
Denn die meisten Menschen sehen in schwarz-weiß viel besser aus (Bitte nicht blind glauben, sondern ausprobieren.).
Auch der leichte Sepia Ton des Automaten auf dem Rigaer Busbahnhof hat seinen eigenen Charme. Wogegen die Ergebnisse moderner FotoFix-Automaten eigentlich immer unbefriedigend ausfallen. Aber wer es überbelichtet und farbverzerrt mag, wird auch hier glücklich werden.

2.) Der Standort – Hilfe bei der Automatensuche

Bei Photobooth kann der Automatenfreund über die Browse-Funktion „ALL ACTIVE PHOTOBOOTHS BY STATE OR COUNTRY” finden (http://www.photobooth.net/locations/).

Und auch eine Fotoautomaten-Weltkarte (http://www.photobooth.net/locations/map.php) bietet diese famose Seite.

FotoFix bietet eine deutschlandweite Standortsuche nach Postleitzahl (http://www.fotofix-online.de/index.php?option=com_wrapper&Itemid=50). Was relativ kundenfreundlich ist, wenn man schnell minderwertigere Passbilder braucht.

(Sorry Linkfunktion streikt langfristig)

3.) Die Ursprünge – Kleine Geschichte des Fotoautomaten

"Das erste Patent auf einen Fotoautomaten wurde am 9. Januar 1888 von den Herren Pope und Poole aus Baltimore beantragt. Ein Jahr später, am 22. Januar 1889, wurde das US-Patent erteilt. Am 16. Oktober 1888 erhielt ein Erfinder namens Sacco das französische Patent Nr. 193734 auf eine ebensolche Maschine. Am 20. Februar 1889 schließlich erhielten Christel Föge, Joseph Raders und Carl Griese aus Hamburg das Reichspatent 51081 auf ihren „Apparat zur selbstthätigen Herstellung von Photographien“.
Da bisher keine Unterlagen gefunden wurden, die belegen, dass diese frühen Erfindungen bis zur Marktreife gebracht wurden, muss man davon ausgehen, dass der Automat des Erfinders Ernest Enjalbert (franz. Patent Nr. 196451 vom 4. März 1889) der erste funktionsfähige und öffentlich aufgestellte Fotoautomat war. Er wurde vom 6. Mai 1889 an auf der Pariser Weltausstellung vorgeführt.
In der Folge wurden zahlreiche Patente angemeldet. Der erste wirtschaftlich erfolgreiche Automat war der Bosco-Photographieautomat des Erfinders Conrad Bernitt aus Hamburg (Reichspatent 68513 vom 16. Juli 1890).
In dieser Zeit stellten alle Automaten Ferrotypien her (Fotos auf Schwarzblech). Der Deutsche Carl Sasse ließ in England 1896 erstmals einen Automaten für das Negativ-Positiv-Verfahren patentieren. Im Jahr 1900 verbesserten die Deutschen Schultze und Vollmann dieses Verfahren. Die Chemische Fabrik auf Aktien (vormals E. Schering) führte mit einem Patent vom 12. Juli 1900 dann das Prinzip des Bildstreifens in die Automatenfotografie ein.
Ein 1894 in Sibirien geborener Jude, Anatol Marko Josephewitz, der sich seit 1921 Anatol Josepho nannte, wanderte 1923 in die USA ein. Er entwickelte die Idee einer Fotokabine, meldete sie 1925 zum Patent an, baute sie mit geliehenem Geld und stellte einen ersten Prototyp auf dem Broadway auf. Er nannte seine Maschine und seine Firma Photomaton. Das Unternehmen war so erfolgreich, dass Josepho die US-Rechte daran im März 1927 (also noch vor der Patenterteilung) für eine Million Dollar an ein Konsortium von Geschäftsleuten verkaufen konnte.
Den Erfolg von Photomaton erhielt Josepho aber quasi geschenkt. Er hatte eine Kabine konstruiert, die abgesehen von der Vorderseite allseits geschlossen war (also auch mit Deckel). Viele der ersten Photomaton-Kabinen wurden in Kaufhäusern aufgestellt. Damit das Blitzlicht des Automaten nicht allzu sehr den Verkauf störte, brachten die Kaufhausbetreiber Vorhänge an den Vorderseiten der Kabinen an. Diese „Abgeschlossenheit“ bei der Aufnahme brachte Photomaton dann den Erfolg. Später wurden solche Vorhänge integraler Bestandteil aller Fotokabinen."

Quelle: Ernst Massen, Kleine Geschichte der Fotoautomaten - in Photo Antiquaria Nr. 103 (4/2011)

Freitag, 12. August 2011

Soundtrack of my life XI - Ghymes


"Das Ghymes-Ensemble, das aus in der Slowakei lebenden Ungarn zusammengesetzt ist, entstand im Jahr 1984 an der Pädagogischen Hochschule in Nitra (Neutra) aus Musikern, die sich zuvor der Rockmusik, der Klassischen Musik bzw. der Renaissancemusik gewidmet hatten. Die vergangenen Jahre stellten für sie eine Zeit "reinigenden Feuers" dar, in der sie langsam folkloristische Elemente und eigene schöpferische Vorstellungen miteinander verbanden. So wurde der ganz eigene Stil der Musik von GHYMES geboren. Die Rhythmen wurden noch fesselnder, härter, und zu den ursprünglichen folkloristischen Instrumenten (Geige, Bratsche, Zimbel, Dudelsack, Kontrabass, Laute, Koboz (der Laute verwandt), Tökcitera (Kürbiszither), Tárogató (Schnabelflöte) kamen Saxofon und Schlagzeug hinzu, Improvisationen wurden geschaffen, und ohne es zu merken oder dieses bewusst zu verfolgen, fanden sie sich in der Kategorie der sogenannten WORLD MUSIC wieder.
Mit ihren Wurzeln schöpft die Musik von GHYMES aus der ungarischen, aber auch aus anderer mittel- und osteuropäischer Folklore. Ihre ars poetica besteht in der Universalität der Musik.Die Aufnahme des Ensembles mit dem Titel "Smaragdváros" (Smaragdstadt), herausgegeben von EMI, erschien in Ungarn im November 2000. In der Europäischen Weltmusik-Rangliste (World Music Charts Europe) erreichte sie im März 2001 den hervorragenden elften Platz."
(Quelle:http://www.ghymes.hu/de/tortenet.php)

"Smaragdváros" ist ein akkustischer Erinnerungsspeicher. Damals in England.
Ein ungarischer Kollege war großer Ghymes Fan und so lief die CD fast ununterbrochen bei der Arbeit. Schließlich hat mich die Musik sogar noch nach Hause begleitet.

Donnerstag, 11. August 2011

Eindrucksvolle erste Sätze II


"Gebe der Himmel, daß der Leser, erkühnt und augenblicklich von grausamer Lust gepackt gleich dem, was er liest, seinen steilen und wilden Weg durch die trostlosen Sümpfe dieser finsteren und gifterfüllten Seiten finde, ohne die Richtung zu verlieren; denn wofern er nicht mit unerbittlicher Logik und einer geistigen Spannung, die wenigstens seinen Argwohn aufwiegt, an die Lektüre geht, werden die tödlichen Emanationen dieses Buches seine Seele durchtränken wie das Wasser den Zucker." (Lautréamont - Die Gesänge des Maldoror (Les Chants de Maldoror)(1874))

Mittwoch, 10. August 2011

Soundtrack of my Life X - Fredrik Vahle


"Gemeinsam mit Christiane Knauf verfasste er bei der Arbeit mit einer Gruppe lernbehinderter Kinder erste eigene Kinderlieder. Christiane & Fredrik traten regelmäßig in Kindergärten, Buchhandlungen und Kinderliederfestivals im In- und Ausland auf und veröffentlichten 1973 mit Die Rübe ihre erste Kinderplatte. [...]

Fredrik Vahles frühe Kinderlieder der 1970er Jahre griffen Themen auf, die für Kinder zu dieser Zeit noch tabuisiert waren wie Arbeit und Arbeitslosigkeit, Schule, Erziehung, Sexualität und das Leben ausländischer Einwohner. Die neueren Titel beschäftigen sich vor allem mit Freude an Musik, Sprache und Bewegung.

Zu seinen bekanntesten Liedern zählen „Anne Kaffeekanne“, das „Katzentanzlied“, „Der Spatz“, „Der Hase Augustin“, „Der Fuchs“, „Das Hau-Mich-Nicht-Lied“ und „Der Cowboy Jim aus Texas“. Mit dem Titel „Kawuras, der Krebs“ produzierte er das in Deutschland bislang erfolgreichste auf einem Kalamatianos-Rhythmus basierende Lied. Daneben verfasste er Nonsenslieder und sprachspielerische Verse und zweisprachige Lieder (Der Elefant – Lieder in unserer und in Eurer Sprache, 1981)."
(ein paar Wiki- Hintergrundinfos für all jene, die Vahle nicht kannten)

Der Sound meiner frühen Kindheit. Eindeutig, dass das meinen Musikgeschmack nachhaltig geprägt hat.

Dienstag, 9. August 2011

Wahre Weiblichkeit



Wunderwelt weiblicher Freizeitgestaltung:

1. Platten hören
2. Zeitung lesen
3. Rauchen

Eine Nachtfahrt


"Als geschichtliches Phänomen setzt sich der Gebrauch von Kutschen auf der Reise durch den Kontinent zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert mit dem Ausbau des europäischen Straßennetzes durch. [...] >Ein ganz besonderer, unvergleichlicher Eindruck von der Postkutsche läßt sich während der nächtlichen Fahrten empfangen. Das allmähliche Verebben der Konversation, das Schnarchen, das nun anhebt, das Rascheln und Verrutschen der Käppchen, Beine, die ihre Stellung wechseln, das Schwächerwerden anderer Geräusche auf der Straße - das Pfeifen des Windes, das Geprassel des Regens, das Rollen der Räder auf dem Wasser, das rhytmische Trotten der Pferde - all das verschärft beim Reisenden, der nicht schlafen kann, die Wahrnehmung des Wenigen, das er im Dunkeln noch erkennt. Die Kutsche hält an, die Wagentür öffnet sich sperrangelweit, ein Strom kalter Luft kündigt die Überprüfung der Gendarmen an. Die Tür wird wieder geschlossen, die Geräusche draußen werden undeutlicher, man vernimmt Stimmen, die nach den Leuten vom Gasthof rufen und die dann mit Gähnen und Ausrufen der Entschuldigung beantwortet werden. Ringsumher erklingt das Geklapper von Holzpantinen. Man hört das Schlürfen der Pferde an der Tränke. Dann versinkt alles wieder in tiefes Schweigen, jemand tut einen langen Atemzug. Der Kutscher steigt wieder auf den Kutschbock. Es geht weiter.<" (Attilio Brilli: Als Reisen eine Kunst war. Vom Beginn des modernen Tourismus: Die >Grand Tour<)