Das war südhessisch. Unerwartet, aber wahr. "Uz misch ned!" bedeutet so viel wie "Du sollst mich nicht ärgern!"
"Keiner weiß so richtig, warum diese Zahl und warum diese Bezeichnung. Aber ein Name ist gut, der steht wie ein Ortsschild da und man weiß, wo man ist. Keiner macht sich eine Vorstellung davon, was hinter diesem Ortsschild kommt und keiner denkt darüber nach, was wir da genau machen oder was die 17 HIPPIES überhaupt mal werden sollen. Wir treffen uns jede Woche und jeder, der mitmacht, soll wenn’s geht ein anderes Instrument spielen als er normalerweise spielt. So kommt es zu Ukulele, Banjo, Dudelsack und Akkordeon – eben nicht E-Bass, E-Gitarre, Schlagzeug und Piano. Wir merken, wie unmittelbar und direkt akustischer Klang ist."(Quelle:http://17hippies.de/de/bio/1995)
Warum ich das hier poste? Weils hörenswert ist. Und das weils dabei schrecklich lustig zugehen und zeitgleich grauenvollst tiefsinnig und traurig werden kann. Wie Klezmermusik. Wie ein gutes Gedicht. Wie ein Abend unter Sternen an einem Ort, der sich richtig anfühlt (Da fällt mir auf "Abend unter Sternen" gibts nicht. Aber wenn man Abend zur Definitionssache erklärt stimmts wieder).
(Ich seh grad, dass das im Blog echt fies aussieht. Sorry, da kann ich jetzt leider nichts dran ändern.)
Da wo das herkommt gibt es noch viel mehr (sagt man das so?). Ein Großteil der Videos findet sich bei youtube. Nur dieses war irgendwie verschwunden. Darum gibt es heute diesen speziellen Leserservice. Denn was mir gefällt, soll Anderen nicht vorenthalten bleiben. Die sprichwörtliche geteilte Freude ist halt immer noch ne gute Sache.
Lustig übrigens, dass auch ich die Tendenz habe durch Personen und sogar ganze Lebensphasen an bestimmte Bücher erinnert zu werden. Im Sinne von "Oha, das is ja genau wie in ...". Aber das ist ein anderes Thema und kann ein anderes Mal beschrieben werden.
(Il Domenechino, Fanciulla e l'unicorno, Affresco, 1604 – 1605, Palazzo Farnese, Roma.)
1. Physische Merkmale. Wie erkenne ich ein Einhorn?
„Um 400 v. Chr. beschrieb Ktesias, Leibarzt am persischen Hof, das Einhorn: "So groß wie ein Pferd oder größer, mit weißem Körper, rotem Kopf und blauen Augen. Das lange Horn sei an der Wurzel weiß. Das Einhorn sei sehr schnell und kräftig, und man könne es nicht lebend fangen." Der Römer Claudius Aelianus (170-235 n. Chr.) präzisierte etwa 600 Jahre später: "Das Horn sei spiralig gedreht und in der Mitte schwarz. Die Wildheit des Einhorns könne durch weiblichen Einfluss gezähmt werden. In der Paarungszeit wird es gesellig." Johannes Lennis, Professor am Josephinum in Hildesheim, [schrieb] in seiner "Synopsis der drei Naturreiche", einem "Handbuch für höhere Lehranstalten und für alle, welche sich wissenschaftlich mit Naturgeschichte beschäftigen wollen" von 1844: "Dem Residenten der ostindischen Compagnie zu Nepaul, Herrn Hogdsen, gelang es von einem gestorbenen Einhorn aus der Menagerie des Rajah von Nepaul die vollständige Haut mit dem noch auf dem Schädel sitzenden Horne zu erhalten, welche er an die wissenschaftliche Gesellschaft von Calcutta einsandte und dadurch alle Zweifel löste. Das Einhorn lebt in der Provinz Dzeng in Tibet, ist scheu u. wild, röthlich, unten weißlich u. hat nur e i n sehr spitzes, schwarzes, aufrechtes Horn auf der Stirn (wie es im Wappen der Engländer abgebildet wird) u. den schlanken Bau der Antilopen, weshalb man es Antilope monoceros nannte."“(Quelle: http://www.welt.de/welt_print/article1512239/Fabelhaftes_Einhorn.html - ein ganz famos recherchierter Artikel zum biologisch-realen Ursprung des Einhornglaubens)
Und weil das noch nicht unerwartet und widersprüchlich genug ist, gibt es noch die These es handele sich um ein extrem wildes, etwa rehgroßes, ziegenbärtiges Waldtier mit weißer Fellfarbe.
2. Das Horn und andere nützliche Einhornprodukte:
„Der hohe Wert des Ainkhürns - zeitweilig das Zehnfache von Gold - erklärt sich nicht nur aus seiner Seltenheit, sondern vornehmlich aus seiner Eigenschaft als Mittel gegen Vergiftung, eine in Herrscherhäusern allgegenwärtige Bedrohung. Man nahm an, dass die natürliche Abscheu des Einhorns vor jeglicher Unreinheit bewirke, dass das Horn bei Anwesenheit von Giften anfange zu schwitzen. Daher hatten Diener vor dem Servieren der Speisen diese mit dem Ainkhürn zu berühren. Um die giftneutralisierende Wirkung zu erreichen, wurden auch Tafelaufsätze und Trinkgefäße aus dem Horn (meist handelte es sich um Narwalzahn) hergestellt. Kaiser Rudolf II. ließ sich aus Furcht vor einer Vergiftung von seinem Hofgoldschmied Jan Vermeyen einen kostbar mit Gold und Edelsteinen gefassten Trinkbecher aus Ainkhürn fertigen.“ (Quelle: Wikipedia)
Darüber hinaus kann das Horn als Pulver eingenommen nahezu alle Krankheiten heilen. Und natürlich ist es auch noch ein starkes Aphrodisiakum.
„Angeblich können die Tränen des Einhorns Versteinerungen lösen. Es soll Tote zurück ins Leben holen können, und wer das Blut eines Einhorns trinkt, wird angeblich unsterblich, führt aber von diesem Punkt an ein unglückliches und verfluchtes Leben. In einigen Erzählungen heißt es auch, dass ein Einhorn ein karges und/oder verwüstetes Land wieder zum Blühen bringt, sobald es dessen Grenzen überschreitet.“ (Quelle: Wikipedia)
3. Beschaffung der Produktpalette:
Nun stellt sich natürlich die Frage, wie man in den Genuss dieser wundersamen Produkte kommen kann. Da man das Pulver heute nicht mehr an jeder Straßenecke im Tausch gegen Gold erhalten kann, muss man sich anders helfen. Ganz Selbstversorger muss man sich auf die Jagd nach diesen seltenen, scheuen und leider auch recht aggressiven Tieren machen. Aber wie?
„One traditional method of hunting unicorns involved entrapment by a virgin. In one of his notebooks Leonardo da Vinci wrote: The unicorn, through its intemperance and not knowing how to control itself, for the love it bears to fair maidens forgets its ferocity and wildness; and laying aside all fear it will go up to a seated damsel and go to sleep in her lap, and thus the hunters take it.”(Quelle: Wikipedia)
Damit ware auch diese Frage beantwortet. Möge der Leser nun selbst entscheiden was er mit diesem neugewonnenen Wissen anfängt.
Shakespeare ist, auch wenn das schrecklich abgekaut erscheinen mag, einer der ganz Großen. Ein brillianter Unterhalter. Ein famoser Menschenkenner. Ein geistreicher Wortspieler (sowohl oberhalb als auch unterhalb der Gürtellinie).
Konfrontiert mit seinem halben dramatischen Werk (ein herzlicher Dank hier an Herrn L. und sein eindrucksvolles Seminar) würde ich rückblickend sagen...mmmh...mein unangefochtenes Lieblingsstück ist eine Komödie. Und um die vordergründige Banalität dieses Statements noch zu steigern: Eine Liebeskomödie.
Warum? Wegen der grandiosen Wortgefechte natürlich.
Das Internet ist voller Zusammenfassungen, darum verweigere ich diesen Leserservice an dieser Stelle und springe direkt zu den Zitaten. Und um es kurz zu machen...wem das gefällt, dem gefällt auch der Rest. Dann heißt es ab in den Buchladen, Reclams zweisprachige oder Penguins einsprachige besorgen. Einen Sessel besetzen. Ein Heißgetränk nach Wahl bereitstellen. Und etwas über die Wortgewalt der Liebe lernen.
beginnen wir mit Komödie (mit etwas Liebe):
"Claudio: Benedick, didst thou note the daughter of Signior Leonato? Benedick: I noted her not; but I looked on her. Claudio: Is she not a modest young lady? Benedick: Do you question me, as an honest man should do, for my simple true judgment; or would you have me speak after my custom, as being a professed tyrant to their sex? Claudio: No; I pray thee speak in sober judgment. Benedick: Why, i' faith, methinks she's too low for a high praise, too brown for a fair praise and too little for a great praise: only this commendation I can afford her, that were she other than she is, she were unhandsome; and being no other but as she is, I do not like her. Claudio: Thou thinkest I am in sport: I pray thee tell me truly how thou likest her. Benedick: Would you buy her, that you inquire after her? Claudio: Can the world buy such a jewel? Benedick: Yea, and a case to put it into. But speak you this with a sad brow? Claudio: In mine eye she is the sweetest lady that ever I looked on. Benedick: I can see yet without spectacles and I see no such matter: there's her cousin, an she were not possessed with a fury, exceeds her as much in beauty as the first of May doth the last of December. But I hope you have no intent to turn husband, have you? Claudio: I would scarce trust myself, though I had sworn the contrary, if Hero would be my wife. Benedick: Is't come to this? Shall I never see a bachelor of three-score again?"
und enden mit Liebe (und etwas Komödie):
"Benedick: I pray thee now tell me, for which of my bad parts didst thou first fall in love with me? Beatrice: For them all together, which maintained so politic a state of evil that they will not admit any good part to intermingle with them: but for which of my good parts did you first suffer love for me? Benedick: Suffer love. a good epithet, I do suffer love indeed, for I love thee against my will. Beatrice: In spite of your heart, I think. Alas poor heart, if you spite it for my sake, I will spite it for yours, for I will never love that which my friend hates Benedick: Thou and I are too wise to woo peaceably."
Über die Kolumnen des Herrn Goldt wurde an dieser Stelle ja bereits berichtet. Nun soll es um sein musikalisches Erbe gehen.
Beginnen wir also mit ein paar kurzen Hintergrundinfos: "Foyer des Art"(1981-1995) Max Goldt (Gesang), Gerd Pasemann(Gitarre)
"1981 nahmen sie eine komplett improvisierte Platte, Die seltsame Sekretärin, unter dem Projektnamen Foyer des Arts auf."
"Foyer des Arts unterschrieben schließlich den – wie sie später erkannten – für sie sehr ungünstigen Vertrag mit der WEA [, die sie als NDW vermarkten wollte]. Dort veröffentlichten sie ihre zweite Platte, Von Bullerbü nach Babylon. Erfolg war ihnen nur mit der zweiten Single Wissenswertes über Erlangen beschieden (Platz 36 der Media-Control-Charts). Als weitere kommerzielle Erfolge auf sich warten ließen, wurde die Band zu für sie äußerst unangenehmen Promo-Auftritten, z. B. in der ZDF-Hitparade, gezwungen, was die Verkäufe allerdings auch nicht zufriedenstellend verbesserte. WEA legte Foyer des Arts schließlich auf Eis, indem sie sich bis 1986 weigerten, weitere Platten zu veröffentlichen, sie andererseits aber auch nicht aus ihrem Vertrag entließen."
Es folgt nun ein gar treffendes Statement zur scheinbaren Publikumsunkompatibilität: "Foyer des Arts hatte wohl damals wie heute das Problem, daß sie zwar als intellektuelle Pop Avantgardisten bezeichnet und durchaus beachtet wurden, sie konnten jedoch nie eine richtige Zielgruppe ansprechen. Dazu Max Goldt: "Irgendwie galten wir zwar als genial oder so was, aber andererseits auch als völlig unverkäuflich. Das größte Problem war sicher die Vielfalt der Stimmungen. Wenn wir nur spaßige Liedchen gemacht hätten, wäre es kommerziell einfach gewesen. Nicht nur kommerziell: Ein lustiges Lied schreibt sich viel leichter als ein ernstes. Ein Humor, der die Komplexität des Lebens außer acht lässt und dem Publikum die Zeit nur mit drolligen Reimen vertreiben will, interessiert mich aber nicht. Oder wir hätten uns ein konsequentes Düster-Image zugelegt, das wäre auch gegangen. Ich finde aber, der Stimmungswechsel gehört zum Leben und daher auch zur Kunst. Daß es durchaus Individuen gibt, die Freude an anderer Leute Eigenständigkeit haben, war niemandem zu vermitteln. Es gab nicht wenig Bewunderung, aber keinerlei Unterstützung. Wir hatten kein Management, keinen Produzenten, keinen Etat, keine Videos, kein gar nichts. Wir hatten nur Mund-Propaganda, aber damit kann man keine Produktionen finanzieren.""
Weiter lesen kann der Interessierte hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Foyer_des_Arts http://www.ichwillspass.de/ndw/bands/foyerdes.htm
Abschließend noch was von mir: Das Best-of Album Könnten Bienen fliegen ruht nahezu unbeachtet im Archiv der Amerika Gedenkbibliothek. Wer das ausleiht bekommt einen guten ersten Einblick und wird sehr schnell herausfinden ob er auf die Mischung aus dadaistisch geistreichen Texten und sparsamem Elektrobeat anspricht.
Eigentlich sind die Lieder wie die Kolumnen: Nachdem man einen Zugang zum ungewöhnlichen Stil gefunden hat fühlt man sich regelmäßig halb ertappt und halb erkannt und zusätzlich reichlich bewußtseinserweitert und ist schließlich glücklich darüber, dass es da draußen Jemanden gibt der die richtigen Worte findet.
Einer meiner Favoriten von der unzugänglicheren Sorte ist dieses Lied: