Falls Sie es noch nicht wußten:
In den 1930ern entwickelte sich eine finnische Variante des Foxtrotts - Humppa genannt - also Musik im 2/4-Takt, die mit Offbeat-Elementen arbeitet.
"Ursprünglich ist Humppa in Finnland eine Musikrichtung, die bevorzugt von älteren Menschen gehört wurde. Die Musiker der Gruppe Eläkeläiset („Die Rentner“) machten Humppa weiteren Kreisen bekannt, indem sie zunächst ausschließlich bekannte Stücke aus dem Rock/Pop-Bereich neu finnisch betexteten und in ihrem Stil wiedergaben. So wurde die Geschwindigkeit erhöht und die Musik durch viele eigentlich artfremde Instrumente erweitert, zum Beispiel durch eine singende Säge oder ein Keksbüchsenschlagzeug." (sagt Wikipedia)
...also irgendwie Seniorenmusik 2.0.
Im Direktvergleich sieht das dann so aus:
Vorher:
Nachher:
Was ich damit eigentlich sagen will? Hört mehr Eläkeläiset! Das ist motivierende Rumspringemusik der Sonderklasse! Und weil Springen fast Sport ist, ist die Musik bestimmt fast gesund!
Sonntag, 31. Juli 2011
Freitag, 29. Juli 2011
Umschlag-bar I
Im Jahre 1976 brachte der Heyne Verlag eine durchaus auch inhaltlich erwähnenswerte Anthologie heraus, die auf halbvergessenen Umwegen ihren Weg in mein Bücherregal fand.
Diese Anthologie soll den Anfang der neuen Reihe über ansprechende Buchcover bilden. Aber warum, fragt sich der Leser. Weil hier Optik und Inhalt aufs unterhaltsamste kolidieren, antwortet die Schreiberlingin (erfolgreich ein Wort entstellt).
Die famose Psychedelic-Art-Optik erinnert an Festival Plakate der Zeit. Im Inneren tummeln sich jedoch Lovecraft, Poe und Stoker. Selten festivalferne Herren wage ich zu behaupten. Und Pink mag zwar für manche der Horror sein, das rechtfertigt aber ein solches Coverkonzept nicht.
Mich begeistert diese Widersprüchlichkeit, auch wenn ich nicht weiß ob das zum Erscheinungszeitpunkt bereits so irritierend auf die Leserschaft wirkte.
Mittwoch, 27. Juli 2011
Soundtrack of my Life IX - Mey Wader Wecker Das Konzert
Grandiose Musik. Grandiose Sängerkombination. Grandioses Konzert.
Nachhören lässt sich das Großereignis auf 2CD´s - beide auf youtube als Playlist zu finden.
Hörenswert sind u.a. "Damals", "Schön war die Jugend" (eine großartige Abfuhr an die musikalische Idealisierung der eigenen Jugend) und "Der Wahnsinn"...und noch viele andere Lieder.
Dienstag, 26. Juli 2011
Soundtrack of my Life VIII - David Dundas - Another funny honeymoon
Ein unerwartet wendungsreiches Leben führte der "Jeans On" Mann mit dem Hang zu geschmacklich fragwürdiger, weißer Oberbekleidung, der mit vollem Namen übrigens David Paul Nicholas Dundas hieß.
Eine kurze Zusammenfassung des bekannten Internetlexikons informiert:
"Dundas wurde als Sohn von Lawrence Dundas, 3. Marquess of Zetland, geboren. In seiner Jugend machte er eine Schauspielausbildung und war kurzzeitig Mitglied der Royal Shakespeare Company. Zwischen 1968 und 1975 hatte er Gastrollen in verschiedenen britischen Fernsehserien sowie in zwei Spielfilmen. Mitte der 1970er Jahre begann Dundas mit dem Komponieren von Jingles für die Fernsehwerbung. Sein Titel Jeans On für die Marke Brutus-Jeans wurde zu einem unerwarteten Welthit, der in Deutschland im Dezember 1976 die Hitparade anführte.
Seine nächste Single, Another Funny Honeymoon, konnte sich zwar in Deutschland und Österreich in den Top Ten platzieren, den Erfolg der ersten Single konnte er jedoch nicht mehr wiederholen.
In der Folge arbeitete Dundas als Komponist an Filmen und Fernsehserien."
Gedichts-verhandlung III - Georg Trakl - Die junge Magd

Die junge Magd
(Ludwig von Ficker zugeeignet)
1
Oft am Brunnen, wenn es dämmert,
Sieht man sie verzaubert stehen
Wasser schöpfen, wenn es dämmert.
Eimer auf und nieder gehen.
In den Buchen Dohlen flattern
Und sie gleichet einem Schatten.
Ihre gelben Haare flattern
Und im Hofe schrein die Ratten.
Und umschmeichelt von Verfalle
Senkt sie die entzundenen Lider.
Dürres Gras neigt im Verfalle
Sich zu ihren Füßen nieder.
2
Stille schafft sie in der Kammer
Und der Hof liegt längst verödet.
Im Hollunder vor der Kammer
Kläglich eine Amsel flötet.
Silbern schaut ihr Bild im Spiegel
Fremd sie an im Zwielichtscheine
Und verdämmert fahl im Spiegel
Und ihr graut vor seiner Reine.
Traumhaft singt ein Knecht im Dunkel
Und sie starrt von Schmerz geschüttelt.
Röte träufelt durch das Dunkel.
Jäh am Tor der Südwind rüttelt.
3
Nächtens übern kahlen Anger
Gaukelt sie in Fieberträumen.
Mürrisch greint der Wind im Anger
Und der Mond lauscht aus den Bäumen.
Balde rings die Sterne bleichen
Und ermattet von Beschwerde
Wächsern ihre Wangen bleichen.
Fäulnis wittert aus der Erde.
Traurig rauscht das Rohr im Tümpel
Und sie friert in sich gekauert.
Fern ein Hahn kräht. Übern Tümpel
Hart und grau der Morgen schauert.
4
In der Schmiede dröhnt der Hammer
Und sie huscht am Tor vorüber.
Glührot schwingt der Knecht den Hammer
Und sie schaut wie tot hinüber.
Wie im Traum trifft sie ein Lachen;
Und sie taumelt in die Schmiede,
Scheu geduckt vor seinem Lachen,
Wie der Hammer hart und rüde.
Hell versprühn im Raum die Funken
Und mit hilfloser Geberde
Hascht sie nach den wilden Funken
Und sie stürzt betäubt zur Erde.
5
Schmächtig hingestreckt im Bette
Wacht sie auf voll süßem Bangen
Und sie sieht ihr schmutzig Bette
Ganz von goldnem Licht verhangen,
Die Reseden dort am Fenster
Und den bläulich hellen Himmel.
Manchmal trägt der Wind ans Fenster
Einer Glocke zag Gebimmel.
Schatten gleiten übers Kissen,
Langsam schlagt die Mittagsstunde
Und sie atmet schwer im Kissen
Und ihr Mund gleicht einer Wunde.
6
Abends schweben blutige Linnen,
Wolken über stummen Wäldern,
Die gehüllt in schwarze Linnen.
Spatzen lärmen auf den Feldern.
Und sie liegt ganz weiß im Dunkel.
Unterm Dach verhaucht ein Girren.
Wie ein Aas in Busch und Dunkel
Fliegen ihren Mund umschwirren.
Traumhaft klingt im braunen Weiler
Nach ein Klang von Tanz und Geigen,
Schwebt ihr Antlitz durch den Weiler,
Weht ihr Haar in kahlen Zweigen.
Montag, 25. Juli 2011
Soundtrack of my Life VII - Skyforger - Long I heard, now I see
Eigentlich ist Skyforger eine "Latvian Pagan Metal" Band. Aber das famose Album "Sword Song" (,das auf einer Rigareise in meinen Besitz überging,) ist pure Folk Musik (im wahrsten Sinne des Wortes).
Das ist mit Abstand die beruhigendste Musik die ich kenne.
So müssen die lettischen Wälder klingen. Meditationsmusik für Freunde des urigen Lagerfeuergesangs. Des ersten Lagerfeuergesangs...damals als die Nacht noch voller Grauen war...und der Anbruch des nächsten Morgens nicht sicher.
Auf der Homepage der Band heißt es dazu:
"The next album in line recorded also in 2003 was self-released 'Sword Song' - an album of purely acoustic Latvian Folk music and a long coming tribute to their ancient forefathers' heritage."
Und als besonderer Service an all jene, die des lettischen nicht mächtig sind, eine Übersetzung (obwohl der Mehrwert dieser Musik nicht unbedingt im Text liegt):
LONG I HEARD, NOW I SEE
Long I heard, now I see
Dievs's grey horses
Adorned with silver droplets
In darkness Dievs arrived
Don't know where to put his horse
Ride sister at night watch at grass
Let him into the apple grove
Dievs placed his horse
On a stone to rest
So his hooves wouldn’t rust
In the tillable land
On the road I found
The horse Dievs had ridden
Golden saddle on its back
Silver bridle
(Quelle: http://www.skyforger.lv/en)
Sonntag, 24. Juli 2011
Susanna Clarke - Jonathan Strange and Mr. Norrell

Herbst 1806 - Frühling 1817
Theoretische Magie wird in den bürgerlichen Kreisen Englands als eine Buchwissenschaft gepflegt. Man diskutiert in aller Ausführlichkeit die Werke der großen Magier der alten Zeit, doch die naheliegendste Frage wird nie gestellt:
"Why is there no more magic done in England?"
Die Frage kommt schließlich auf. Der letzte praktische Magier wird gefunden, und für verbittert, geizig und rachsüchtig befunden.
Ein junger Lebemann entdeckt, auf der Suche nach einer sinnvollen Lebensaufgabe, durch Zufall seine magischen Fähigkeiten.
Nun hat England zwei praktische Magier. Zwei wie Feuer und Eis (selten plump formuliert, aber passend). Zwei die zu Schüler und Lehrer werden. Zwei die lernen müssen gemeinsam zu arbeiten. Ein Versuch der scheitern muss.
Der Wunsch dem eigenen Land durch Magie zu nutze zu sein steht im Raum. Und im Krieg gegen Napoleon beweisen beide Magier ihre Fähigkeiten. Norrell vom gemütlichen London aus. Strange auf den schlammigen Schlachtfeldern.
Was in der Nacherzählung ins abstruse abzugleiten scheint, ist tatsächlich überzeugendste Alternative History. Nicht nur für Nicht-Historiker.
Darüber hinaus geht es um Hybris, Liebe und unerwarteterweise auch um Rassismus.
Es geht um tatowierte Budenzauberer, die geheime Prophezeiungen mit sich tragen.
Es geht um junge bezaubernde Damen der besseren Gesellschaft, die scheinbar grundlos dem melancholischen Wahn verfallen. Es geht um den "gentleman with thistle-down hair" und sein undurchschaubares Spiel mit seinen Opfern. Es geht um endlose Bälle und um Venedig. Es geht um die ewige Nacht und es geht um die ersehnte Erlösung. Und das auf insgesamt 1006 Seiten.
Ein Buch mit ca. 200 Fußnoten, die in wissenschaftlichster Manier Bezüge zu einer vollständig imaginierten Fachbibliothek der englischen Magie aufbauen.
Ein Buch, dass die Sprache von Dickens und Austen aus halb vergessenen, verstaubten Lesesälen errettet und zu neuem Leben erweckt. Hier der Beweis:
"She was always very ready to smile and, since a smile is the most becoming ornament that any lady can wear, she had been known on occasion to outshine women who were acknowledged beauties in three counties."
Eines meiner Lieblingsbücher...und das seit Jahren. Lest es!!!
Nun wie gewohnt Zitate:
“All of Man’s works, all his cities, all his empires, all his monuments will one day crumble to dust. Even the houses of my own dear readers must – though it be for just one day, one hour – be ruined and become houses where the stones are mortared with moonlight, windowed with starlight and furnished with the dusty wind. It is said in that day, in that hour, our houses will become possessions of the Raven King…”
"Can a magician kill a man by magic?" Lord Wellington asked Strange.
Strange frowned. He seemed to dislike the question. "I suppose a magician might," he admitted, "but a gentleman never could."
"Fairies do not make a strong distinction between the animate and the inanimate. They believe that stones, doors, trees, fire, clouds and so forth all have souls and desires, and are either masculine or feminine. Perhaps this explains the extraordinary sympathy for madness which fairies exhibit."
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