Am Samstag gabs nen Familienausflug zu "Max Raabe und Palast Orchester" in der Waldbühne. Ein feines Konzert. Und entgegen meiner Erwartung lag ich keineswegs überdeutlich unter dem Altersdurchschnitt. Ältere Ehepaare saßen neben nerdbebrillten BWL Studenten...und ich habe sogar Kinder gesichtet.
Das beeindruckendste Lied des Abends war mit Abstand "Krise". Gerade weil es mal nicht um die holden Fräuleins und den mal charmanten, mal etwas linkischen Verführer geht.
Entgegen der vom Titel geweckten Zuhörererwartung ist dies ein unglaublich positives Lied. Darum bitte nicht vom Anfang abschrecken lassen. Einfach unbeirrt bis zum Ende hören.
Hörenswert sind aber auch "Küssen kann man nicht alleine" und "Ich bin nur wegen dir hier".
Da geht es um holde Fräuleins und die werden verführt.
Montag, 22. August 2011
Sonntag, 21. August 2011
Sebastian Lehmann - Sebastian
"Sollten wir eigentlich demnächst mal erwachsen werden [?] Oder zumindest Erwachsenendarsteller. But we´re still young, denke ich auf englisch. "Damn", rufe ich. Scheiße, schon wieder. Aber trotzdem muss man das bald mal, erwachsen werden, denke ich [...], das kann ja nicht ewig alles so weitergehen. Warum also nicht ein Haus an einem Brandenburger See mit Familie und so? Mit Verantwortung und so. Mit Geld und so. Mit Auto und so. Mit Beruf und so. Mit Erwachsen und so. Wie alle normalen Menschen eben, weit weg in der alten BRD."
Erwachsenendarsteller? Gut gesagt.
Mein erster Neuberliner-Langzeitstudenten-Episodenroman. Das erste Drittel gefällt. Der Rest muss noch erlesen werden. Wenn gute Poetry-Slammer schreiben, wirds kurzweilig. Das ideale Ausgleichsbuch zum Studium also...würd ich sagen.
Samstag, 20. August 2011
Oh wie praktisch ist die Berlinerin!
Wir schreiben das Jahr 1927. Claire Waldoff und Friedrich Hollaender - Zwei der ganz großen Persönlichkeiten der Berliner Kabarettszene tuen sich zusammen.
"Claire Waldoff spezialisierte sich auf Gassenhauer, Schlager und Chansons im Berliner Jargon, den sie auf Kneipentouren gelernt hatte. Ihr Markenzeichen waren Krawatte, Hemdbluse und bronzeroter Bubikopf. Sie rauchte und fluchte auf der Bühne. Sie selbst beschrieb ihre Ausstrahlung später so: Meine einfache Art, ohne Geste, nur auf Mimik, nur auf das Mienenspiel der Augen gestellt, war etwas Neues auf der Kabarettbühne. Ich war und blieb die große Nummer in meiner Einfachheit." (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Claire_Waldoff)
"Nach dem ersten Weltkrieg traf Friedrich Hollaender mit Gleichgesinnten wie Tucholsky, Klabund, Mehring, Spoliansky, Ringelnatz und der jungen Schauspielerin Blandine Ebinger (seiner späteren Frau) zusammen, um ein Kabarett zu gründen. Es fand statt im "Schall und Rauch" im Keller von Max Reinhardts Großem Schauspielhaus. Das Gebäude stand am Zirkusplatz, Friedrichstraße Ecke Schiffbauerdamm, wurde nach dem Krieg als Friedrichstadtpalast genutzt und in den 80er Jahren wegen Baufälligkeit abgerissen. [...]
In den 20er Jahren wird Hollaender eine feste Größe in der Berliner Kulturszene. Er wirkt an verschiedenen Kabarett-Theatern (u.a. Trude Hesterbergs Wilde Bühne), komponiert und textet Lieder und begleitet Blandine und andere am Klavier. Später schrieb er Revuen [...]. In Charlottenburg eröffnete er seine eigene Bühne, das Tingel-Tangel-Theater. Außerdem vertonte er Filme. Ein Höhepunkt seines Schaffens war sicherlich der "Blaue Engel", dessen Melodie "Von Kopf bis Fuß" noch heute ein Begriff ist." (Quelle: http://www.chanson.de/liedermacher-103.html)
Und das tragische Ende:
"1933 musste Hollaender wegen seiner jüdischen Abstammung und politischer Missliebigkeit Deutschland verlassen." (Quelle: s.o.)
"Die Machtübernahme durch die Nazis 1933 bedeutete auch für Claire Waldoff einen Einschnitt. Für einige Zeit hatte sie ein politisches Auftrittsverbot, weil sie noch kurz zuvor bei der kommunistischen Roten Hilfe im Berliner Sportpalast aufgetreten war. Nachdem sie der Reichskulturkammer beigetreten war, wurde es wieder aufgehoben. [...] 1936 knickte ihre Karriere ein. Propagandaminister Joseph Goebbels verbot ihr, in der Berliner Scala zu gastieren. In Berlin gab es für sie immer weniger Engagements. [...] Die Wehrmacht engagierte sie für die Truppenbetreuung. Im Januar 1942 sang sie vor deutschen Soldaten im besetzten Paris. Nach dem Krieg konnte sie ihre Karriere nicht mehr fortsetzen. Die Währungsreform 1948 kostete sie ihre Ersparnisse, sie verarmte." (Quelle: s.o.)
Freitag, 19. August 2011
Donnerstag, 18. August 2011
Lyrischer Suizid
"Es gilt als ausgemacht, dass Dichter öfter an der Welt oder an ihrer Seele leiden als viele andere Berufsgruppen. Dennoch sind nicht alle Lyriker selbstmordgefährdet. Eine neue Studie von zwei amerikanischen Psychologen zeigt, dass man die Suizidgefährdung der Poeten aus ihren dichterischen Worten lesen kann. Ihre Erkenntnisse haben die Forscher in der Zeitschrift "Psychosomatic Medicine" veröffentlicht.
Shannon Wiltsey Stirman von der University of Pennsylvania und James W. Pennebaker von der University of Texas in Austin haben 156 Gedichte von neun Dichtern, die Selbstmord begangen haben, analysiert. Zum Vergleich haben sie 135 Gedichte von neun Lyrikern herangezogen, die eines natürlichen Todes gestorben waren. [...]
Die Analyse ergab, dass die Autoren, die später Selbstmord begingen, in ihren Gedichten deutlich häufiger Pronomina der 1. Person Singular , also "ich", "mich", "mein" benutzten als Pronomina der 1. Person Plural wie "wir", "uns", "unser". Letztere Pronomina wurden öfter von den Dichtern verwendet, die später keinen Suizid begingen. Die durch Selbstmord umgekommenen Dichter gebrauchten auch seltener Verben, deren Bedeutungsinhalt "Kommunikation" oder "Dialog" war wie etwa "reden", "teilen" oder "zuhören". Dafür gebrauchten sie umso häufiger Wörter, die um das Bedeutungsfeld "Tod" kreisten. "Suizid-gefährdete Autoren sind weniger an andere gebunden und mehr mit sich selbst beschäftigt", fasst Stirman die Ergebnisse zusammen. "Unsere Forschung macht auch deutlich, wie Textanalyse die Charakteristiken des Schreibens erhellen kann, die mit Suizid verbunden sind." (Quelle: http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/152793.html)
(Interessantes Thema.Ungemein vorhersehbahres und irgendwie auch traurig banales Ergebnis.)
Mittwoch, 17. August 2011
Vorlesen - Die schönste der sterbenden Künste
(Vorlesung aus Goethes Werther, Wilhelm Amberg. 1870)
"42 Prozent der Eltern mit Kindern unter 10 Jahren in Deutschland lesen nicht oder nur gelegentlich vor.Dies zeigte eine repräsentative Befragung von 1.000 Müttern und Vätern im Jahr 2007 im Rahmen der ersten Vorlesestudie von Stiftung Lesen, Deutsche Bahn und Die Zeit." (http://www.dervorleseclub.de/vorlesestudie)
Das stimmt traurig.
Jedem Kind sollte vorgelesen werden!
Vorlesen gesetzlich zum kindlichen Grundrecht erheben!
Verpflichtende Vorlesekurse für Eltern ins Leben rufen!
Bücher für die ersten fünf Lebensjahre zur Geburt verschenken!
(Ähm...das dürfte jetzt deutlich genug gewesen sein)
Also ich war nicht nur "gelegentlich" mit begeistert vorlesenden Mitmenschen gesegnet. Und dafür bin ich mehr als dankbar.
Aber Vorlesen sollte nicht (früh)kindlicher Luxus bleiben. Vorlesen hat das Potential zum generationenvereinenden Vergnügen.
Lest vor! Lasst euch vorlesen! ...und das nicht nur "gelegentlich"
Und wenn grad mal niemand zum Vorlesen da ist, gibt es zum Glück ja noch Hörbücher.
Ein solches folgt hier, als Beleg für die These, dass Vorlesen eine Kunst sei.
Dienstag, 16. August 2011
Eindrucksvolle erste Sätze III
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