Dienstag, 9. August 2011

Garstiger Goethe für fortgeschrittene Fieslinge


"Eine Gesellschaft von (vermutlich) Studenten, wirft hier die Mücken, die sie in ihren Nebenstunden mit Pfeilen erschossen haben, aus dem Fenster ins Publikum. Man kann es wirklich keinem Menschen übel nehmen, wenn er in den Stunden, da er sonst nichts getan hätte, Bücher schreibt; doch, wenn er es nicht besser macht, als die Verf. dieses Magazins, so raten wir ihm immer, sich einen andern Zeitvertreib zu suchen. Wenn man unter so vielen Steckenpferden zu wählen hat, so ist es in der Tat Eigensinn, gerade auf das zu steigen, welches nie so ganz Steckenpferd ist, um nicht auch oft den Reuter sehr unsanft abzuwerfen." (Johann Wolfgang von Goethe,Beiträge zu den Frankfurter Gelehrten Anzeigen vom Jahr 1772)

Freitag, 5. August 2011

Romanleser sind die besseren Menschen


"Lesen verdirbt die Augen – und den Charakter. Bei Nichtlesern stehen Vielleser gern im Ruf, weltfremde Tagträumer zu sein, die in anderen Sphären schweben und im Leben darum nichts geregelt kriegen. Doch jetzt ist es endlich amtlich: Wer liest, hat nicht nur mehr vom Leben, sondern ist für dessen Zumutungen auch besser gewappnet. Der Psychologe Keith Oatley von der Universität Toronto hat in einer Studie mit Viellesern und Nichtlesern herausgefunden, dass Menschen, die regelmäßig Romane oder andere Werke der Fiktion lesen, kommunikativer und überdies erfreulich geübt darin sind, sich in andere hineinzuversetzen."

(Quelle: http://www.faz.net/artikel/C30870/vorschau-auf-den-literaturherbst-romanleser-sind-die-besseren-menschen-30476901.html)

Eindrucksvoller letzter Satz


"Durch die Festeshalle mit lautlosem Flügelschlag – unsichtbar – zogen die schwarzen Riesenvögel des Entsetzens."
(Gustav Meyrink - Der Mann auf der Flasche)



(Eine Vollversion dieser schaurigen Maskenballgeschichte findet sich hier: http://ngiyaw-ebooks.org/ngiyaw/meyrink/orchideen/flasche.htm)

Donnerstag, 4. August 2011

Umschlag-bar II


Reclam Leipzig haben bei ihrer Austen Ausgaben aus dem Jahr 2003 auf ein altbewährtes Coverkonzept zurückgegriffen, Ausschnitte aus historischen Frauenportraits. Was sich erstmal sehr nach der Coverstrategie historischer Roman-massenware mit primär weiblichem Zielpublikum anhört, ist hier sehr ansprechend inszeniert worden. Mein ungeschlagener Liebling aus dieser Reihe ist das Cover von "Kloster Northanger". Es handelt sich dabei übrigens um einen Ausschnitt aus dem Gemälde "Study of Emma Hart as Circe" von George Romney (1734-1802). Interessanterweise empfinde ich das gesamte Bild als nicht halb so eindrucksvoll wie den Coverausschnitt. Wer das selbst beurteilen will vergleiche:

Falls ichs noch nicht erwähnt habe: Das Buch ist eine famose Satire auf die Schauerliteratur und auf die Oberflächlichkeit der Gesellschaft. Schlage die erste Seite auf und lies:

"No one who had ever seen Catherine Morland in her infancy would have supposed her born to be an heroine. Her situation in life, the character of her father and mother, her own person and disposition, were all equally against her. Her father was a clergyman, without being neglected, or poor, and a very respectable man, though his name was Richard—and he had never been handsome. He had a considerable independence besides two good livings—and he was not in the least addicted to locking up his daughters. Her mother was a woman of useful plain sense, with a good temper, and, what is more remarkable, with a good constitution. She had three sons before Catherine was born; and instead of dying in bringing the latter into the world, as anybody might expect, she still lived on—lived to have six children more—to see them growing up around her, and to enjoy excellent health herself."

Und weils so schön war zum Schluß noch ein Ausschnitt auf dem man auch die gerillte Oberfläche sehen kann. Das haptische Argument dieses Cover zu mögen.

Mittwoch, 3. August 2011

Eindrucksvolle erste Sätze I


"The sun shone, having no alternative, on the nothing new."
(Samuel Beckett: Murphy (1938))

Dienstag, 2. August 2011

Schönste erste Sätze


Im Jahre 2007 schrieb die Stiftung Lesen einen Wettbewerb aus, um "den schönsten ersten Satz der deutschsprachigen Literatur" zu ermitteln. Ich entsinne mich sogar eine Teilnahme erwogen und verworfen zu haben (, da meine liebsten ersten Sätze nicht dem deutschen Sprachraum entstammten). Vor einigen Tagen fiel mir jener Wettbewerb erneut ein und ich recherchierte das Ergebnis:

Kategorie "Erwachsene":

Platz 1:
„Ilsebill salzte nach.“ (Günter Grass: Der Butt)

Platz 2:
„Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt.“
(Franz Kafka: Die Verwandlung)

Platz 3:
„Hamilkar Schaß, mein Großvater, ein Herrchen von, sagen wir mal, einundsiebzig Jahren, hatte sich gerade das Lesen beigebracht, als die Sache losging.“
(Siegfried Lenz: Der Leseteufel)

Ein ganz nettes Ergebnis. Aber Begeisterung löst das jetzt nicht gerade aus. Solche Wettbewerbe verkommen scheinbar stets zur Spielwiese einer Gruppe konservativer Altintellektueller, die alles was außerhalb von Grass und Goethe stattfindet nicht als Literatur empfinden.

Kategorie "Kinder":

Platz 1:
„In der Mottengasse elf, oben unter dem Dach hinter dem siebten Balken in dem Haus, wo der alte Eisenbahnsignalvorsteher Herr Gleisenagel wohnt, steht eine sehr geheimnisvolle Kiste."
(Janosch: Lari Fari Mogelzahn)

Platz 2:
„Es fiel Regen in jener Nacht, ein feiner, wispernder Regen.“
(Cornelia Funke: Tintenherz)

Platz 3:
„Entweder mache ich mir Sorgen oder was zu essen.“
(Ildikó von Kürthys: Blaue Wunder)

Das schlägt die erste Kategorie doch um Längen. Das sind Sätze voller Leben und Phantasie. Solche Sätze braucht die Welt.

Warum ich vergangene Wettbewerbe revue passieren lasse? Warum wohl? Ideendiebstahl natürlich! Um erste(vielleicht auch mal letzte)Sätze wird es an dieser Stelle bald gehen. Ob man wohl mit nur einem Satz die Lust an einem Buch wecken kann? Ich hoffe es.

(Quelle:http://www.buchmarkt.de/content/29124-stiftung-lesen-ilsebill-salzte-nach-ist-der-schoenste-erste-satz.htm?hilite=-Stiftung-Lesen-)

Montag, 1. August 2011

Imaginärer Kaffee mit Neil Gaiman



Ja, es ist ein wirklich langes Video...aber es lohnt sich.

Er liest Gedichte. Fasst fast alle seine Werke kurz zusammen. Produziert einige wirklich famose Sprachbilder.

Der beste Beweis, dass man Personen, deren Schreibstil man schätzt auch als Gesprächspartner sympathisch finden wird.